Klettergarten Klingenbichl

Beim ersten Betreten des Klettergartens kamen Zweifel auf, ob wir hier richtig sind: Ein Chaos aus Blöcken und umgeknickten Bäumen zeugt im linken Wandbereich von einem Bergsturz aus jüngerer Zeit. Ein paar Meter weiter wird der Wandfuß wieder eben, hier liegt der rechte Sektor mit den leichteren Routen. Der Blick nach oben wirkte zunächst wenig einladend, aber einfach, und genau das wollten wir unseren Aspiranten an diesem Tag bieten.
Auf einen Blick
- Routen: 26 Routen von 3 bis 9, Schwerpunkt im 3. bis 5. Grad
- Gestein: Sandstein, bis 30 Meter hoch
- Absicherung: Klebehaken und Schwerlastanker, Stände mit Umlenkungen (kein Fädeln nötig)
- Material: 70-Meter-Einfachseil, 10 Expressschlingen, Helm
- Zustieg: ca. 15 Minuten ab Parkplatz P1 vor Oberstdorf
- Hinweis: Klettergarten der Alpinschule Oberstdorf, größere Gruppen melden sich dort an
Charakter
Der erste Eindruck täuschte. Schon nach den ersten Klettermetern kam Laune auf: Die leichten Routen im 3. und 4. Grad sind gut gesichert und lassen sich gefahrlos vorsteigen, etwas Laub auf den Absätzen stört kaum. Ganz rechts dominiert Plattenkletterei mit Leisten, hier lässt sich die Reibung der Sohlen testen. Der zentrale Sektor bietet gestufte Verschneidungskletterei mit Absätzen, Bäuchen und steilen Wändchen. Bei bis zu 30 Metern Wandhöhe sind mehrere Zwischenstände eingerichtet, um das Klettern in Mehrseillängen zu üben. Einige Routen im 5. und 6. Grad überraschen mit Passagen, die schwerer sind als vermutet. Die Abschlusstour „Speckschwarte“ (8-) ganz links macht ihrem Namen alle Ehre.
Damit ist Klingenbichl vor allem für Einsteiger, Kurse und Kletterer in den unteren Graden interessant, vielleicht das beste Einstiegsgebiet im Allgäu. Die für die Gegend untypischen Sandsteinfelsen liegen idyllisch im Wald und eignen sich besonders für heiße Sommertage. Der Zugang ist einfach und auch mit Kindern machbar. Danach lohnt ein Abstecher nach Oberstdorf, zum Beispiel in eine der Eisdielen.
Der Klettergarten gehört der Alpinschule Oberstdorf und wird oft für Kurse genutzt. Größere kommerzielle Gruppen melden sich dort an und entrichten eine Gebühr, für Privatpersonen ist das Klettern unproblematisch. Chalk ist im Sandstein weder nötig noch hilfreich.
Sektoren
- Linker Wandbereich: wenige Routen mit steiler, schwerer Wand- und Leistenkletterei, der Rest wurde durch den Bergsturz zerstört
- Mittlerer Wandbereich: blockiger Teil mit Absätzen, nach oben steiler und schwerer, mit bis zu 30 Metern die längsten Routen im Gebiet, mehrere Zwischenstände für Mehrseillängen
- Rechter Wandbereich: leicht geneigte Plattenkletterei, etwa 15 Meter hoch, gut gesichert und einsteigertauglich
Routenangebot
- 3. Grad: 7 Routen
- 4. Grad: 3 Routen
- 5. Grad: 8 Routen
- 6. Grad: 3 Routen
- 7. Grad: 1 Route
- 8. Grad: 3 Routen
- 9. Grad: 1 Route
Ausgangspunkt und Zustieg
Von Sonthofen kommend am zweiten Kreisverkehr vor Oberstdorf rechts auf dem Parkplatz P1 parken.
Eine Brücke führt rechts über den Bach. Dem Schotterweg nach links zur kleinen Ortschaft Klingenbichl folgen, nach der zweiten Holzhütte rechts in den Wald abbiegen. Ein breiter Weg führt zu den Kletterfelsen, etwa 15 Minuten vom Parkplatz. Der im Kletterführer Allgäu-Rock beschriebene Trampelpfad ist nicht mehr begehbar, der Zugang wurde eingezäunt.

Literatur und Links
- Kletterführer Allgäu-Rock: www.gebro-verlag.de
- Weitere Tourenberichte von Peter Schwarzmann: www.allgaeu-plaisir.de









